Studium am Rabbinerseminar

Einführung in die Jüdische Religionspädagogik
Prof. Dr. Micha Brumlik unterrichtet im Rahmen der praktischen Ausbildung am AGK
Seit dem Mittelalter gibt es für die jüdische Religionslehre Aufstellungen von Glaubenssätzen, den Ikkarim. Abraham Jagels Lekach Tow stellte 1595 nach christlichem Vorbild ein Lehrgespräch über 39 Glaubensfragen auf. Zu den Themen für den Schulunterricht gehören neben den 13 Ikkarim des Maimonides traditionell auch die 613 Mitzwot, die Zehn Gebote, die 13 Middot als Auslegungsregeln, die 13 Awot Neskin oder Hauptschäden sowie die 39 am Schabbat verbotenen Tätigkeiten, aber auch die Ma’alot, die 48 Lernstufen. Wie lassen sich derartige Themen aber in heutige Entwürfe für den jüdischen Religionsunterricht zeitgemäß einpassen? Welche exegetischen, hermeneutischen, theologischen und didaktischen Fragestellungen haben Kantoren, Religionslehrer und Rabbiner bei der Unterrichtsvorbereitung zu beachten? In welcher Weise kann man das Judentum in seiner ganzen Vielfalt für den Unterricht systematisieren und elementarisieren? Wie lassen sich Glaube und Lehre verbinden? Für angehende jüdische Religionslehrer tut sich da eine Vielzahl von Fragen auf.
Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik hat nun im April damit begonnen, unseren Studierenden eine Einführung in die jüdische Religionspädagogik zu vermitteln. Brumlik ist Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt „Theorie der Erziehung und Bildung“. Sein Seminar am Abraham Geiger Kolleg ist auf fünf Semester angelegt und setzt sich aus mehreren Modulen zusammen. Zweck dieser Lehrveranstaltung ist es, angehenden Kantoren und Kantorinnen, Rabbinern und Rabbinerinnen, die später jüdischen Religionsunterricht erteilen wollen, eine Einführung in die Erziehungswissenschaft im Allgemeinen, die Religionspädagogik im Besonderen zu geben sowie die spezielle Didaktik des jüdischen Religionsunterrichts zu vermitteln. Dabei soll es vor allem darum gehen, theoretische Kenntnisse mit praxisnaher, praxisbegleitender Reflexion zu verbinden.
Supervision und Organisations- und Institutionsberatung
Seit Gründung des Abraham Geiger Kollegs im Sommersemester 2001 werden dessen Aufbau sowie die Funktionsabläufe von Frau Dr. Dorothee von Tippelskirch-Eissing begleitet.
In Bezug auf die Ausbildung der Rabbiner-Studentinnen und -Studenten besteht die Tätigkeit vorwiegend in der Mitarbeit bei der Auswahl der Bewerber und ihrer das Studium und die Ausbildung begleitenden Evaluation.
Da die Studenten in der Regel schon bald als Praktikanten in den Gemeinden tätig werden, wurde von vorn herein die Bedeutung von Supervision für Herausbildung und Entwicklung ihrer psycho-sozialen Kompetenzen erkannt. Dieser Teil der Ausbildung geschieht vorwiegend in Form von obligatorischen Einzel-Supervisionen zu Beginn und Ende eines jeden Semesters sowie in der regelmüßig im Semester wöchentlich stattfindenden Supervision in der Gruppe. Workshops, die eine vertiefte Arbeit ermöglichen, und Tagungen, die nach einer bestimmten Methode arbeiten und in verschiedenen Gruppenanordnungen die Möglichkeit zur Selbsterfahrung bieten, erweiterten im Lauf der Zeit das Programm. Dabei stehen Fragen im Zentrum wie: Welche Rolle übernehme ich in einer Gruppe? Wie gewinne ich Autorität in einer Gruppe? Oder auch: Wie verhalten sich Gruppen zueinander?
Hinzu kamen nach Abschluss der Ausbildung der ersten Rabbiner mit der Ordination 2006 sogenannte Post-Graduate-Angebote, die sich an die neu in ihre Ämter eingeführten Rabbiner richteten.
Aufgrund des Erfolgs des Abraham Geiger Kollegs und seines kontinuierlichen Wachstums, der zunehmenden Differenzierung der bestehenden und des Zuwachses an neuen Arbeitsbereichen stand zuletzt im Wintersemester 2009/2010 eine Erweiterung auch im Bereich von Supervision und Beratung an. Mit Dr. Ilan Diner und Ludger Hermanns konnten zwei weitere Mitarbeiter für diesen Zweig gewonnen werden. Die drei verstehen sich als ein Team, in dem jedem schwerpunktmäßig ein besonderer Arbeitsbereich zugeordnet ist: L. Hermanns arbeitet vorwiegend mit den Mitarbeitern des Kollegs, deren Beratung er übernommen hat. Dr. I. Diner und Dr. D. von Tippelskirch-Eissing arbeiten vorwiegend mit den Studierenden.






