Beruf Rabbiner

Hintergrund: Raw, Rabbi, Rabbiner
Die aramäische Anrede Rabbi für »mein Herr«, »mein Meister« wurde erst nach der Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahr 70 u.Z. als Titel für ordinierte Gesetzeslehrer gebräuchlich. Die Bezeichnung geht auf das Wort raw, »groß«, zurück, so wie der Titel Magister auf lateinisch magnus, »groß«. Die Lehrer der palästinensischen Mischnazeit (300 v. bis 200 .u. Z.) heißen Rabbi, die der babylonischen Talmudperiode bis 638 u. Z. Raw. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch nennt man diese Lehrer Rabbinen - im Unterschied zu den Kultusbeamten des Mittelalters und der Neuzeit, den Rabbinern. Der Redaktor der Mischna, Jehuda Ha’Nasi, wird auch als Rabbenu ha’kadosch, »unser heiliger Lehrer«, bezeichnet. Einer seiner bedeutendsten Schüler, Aba Areka, der die Talmudschule von Sura in Babylonien begründete, wird im Talmud wiederum schlichtweg Raw genannt.
Im Mittelalter (bis etwa 1350) ist der Titel Rabbiner die Bezeichnung für einen Gelehrten, der ein Lehrhaus leitet und als Gemeinderichter (dajan) fungiert; dass jüdischen Gemeinden Rabbiner als Kultusbeamte anstellen, wird erst nach dieser Zeit üblich, und erst im 19. Jahrhundert wird der Rabbiner auch zum Seelsorger und zum Prediger im Gottesdienst, ähnlich einem kirchlichen Geistlichen. Dabei ist bemerkenswert, dass die jüdische Reformbewegung in Abgrenzung vom Rabbinismus und Talmudismus sich auch vom Titel Rabbiner distanzierte und die Bezeichnung Prediger bevorzugte. Die Aufgaben des modernen Rabbinat umfassen Predig und Seelsorge, Religionsunterricht und die Klärung religionsgesetzlicher Staatusfragen, die Begleitung von Gemeindemitgliedern bei life cycle events sowie repräsentative Tätigkeiten.
In chassidischen Kreisen erst in Mittel- und Osteuropa, heute insbesondere in Nordamerika und Israel wird die Bezeichnung Rebbe verwendet, oft in Verbindung mit dem Begriff des Wunderrabbis oder für die Führer chassidischer Gruppen: der Belser Rebbe, der Satmarer Rebbe, der Lubawitscher Rebbe. Der Titel eines sefardischen Rabbiners ist hingegen Chacham, »Weiser«, und der Oberrabbiner der Türkei heißt bis heute der Chacham Baschi. Der sefardische Oberrabbiner von Israel trägt hingegen den 1921 im damaligen Palästina eingeführten Titel Rischon Le’Zion, »Erster für Zion« - nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt in Israel.
Auf Englisch ist ein Rabbiner ein Rabbi, was aber in eingedeutschter Form ein unklarer Ausdruck bleibt und außer Acht lässt, dass es sich um einen ausgebildeten und ordinierten Rabbiner handelt, sei er nun Absolvent eines akademisch ausgerichteten Rabbinerseminars oder einer traditionellen Talmudhochschule, der Jeschiwa. Reb wiederum ist eine Art Allerweltsanrede, und wenn ein verheirateter Mann im Gottesdienst zur Toralesung aufgerufen wird, dann oft mit dem Titel Reb. Und wie sieht es mit der Bezeichnung für Rabbinerinnen aus? Die weltweit erste ordinierte Rabbinerin, Regina Jonas (1902-1944) ging noch als Fräulein Rabbiner Jonas in die Geschichte ein. Ihre erste Nachfolgerin in der Bundesrepublik, Bea Wyler, bestand auf den Titel Rabbiner - wohl auch, um nicht mit einer Rebbetzin verwechselt zu werden, der Ehefrau eines Rabbiners. In Israel ist in jüngster Zeit auch in orthodoxen Kreisen die hebräische Bezeichnung Rabba für eine Rabbinerin gebräuchlich geworden. Die Aufgaben des modernen Rabbinats umfassen Predigt und Seelsorge, Religionsunterricht, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung, die Klärung religionsgesetzlicher Statusfragen und die Begleitung von Gemeindemitgliedern bei life cycle events sowie auch die Teilnahme am interreligiösen Gespräch und repräsentative Tätigkeiten.
