Video: Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich des 200. Geburtstages von Rabbiner Abraham Geiger in Berlin

Video Feature on the Abraham Geiger College, DW World, January 2007

Reportage über die Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Deutsche Welle, Januar 2007

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TAZ, 13.11.2000

„Eine Bereicherung des jüdischen Lebens“

Der Gründungspräsident des Abraham Geiger Kollegs, Rabbi Walter Jacob, meint, dass die jüdische Gemeinschaft längst gespalten ist. Die Rabbiner Ausbildung sei notwendig, weil die Zahl der Juden in Deutschland enorm gestiegen ist.

Taz: Rabbi Jacob, Sie sind Gründungspräsident des Abraham-Geiger Kolleges: Glauben Sie, dass die Eröffnung des Kollegs die jüdische Gemeinschaft in Deutschland spalten könnte?

Walter Jacob: Das Kolleg wird sie nicht spalten. Denn sie ist schon gespalten, sie war immer gespalten: Von Anfang an, besonders in Berlin, gab es liberale Gemeinden und liberale Rabbiner.
Aber es ist klar, dass die Union der progressiven Juden, die vom Zentralrat oft als eine Konkurrenz wahrgenommen wird, dadurch gestärkt wird.
In den letzten Jahren wurde es etwas schwieriger für die liberalen Gemeinden, irgendetwas zu tun. Deshalb haben wir unsere eigene Union gegründet.

Taz: Glauben Sie, dass die Union der progressiven luden sich tatsächlich zu einer Art Konkurrenz zum Zentralrat entwickelt?

Walter Jacob: Wir sehen uns nicht als Konkurrenz. Wir sehen uns als eine andere Gemeinschaft. Wir wollen mit dem Zentralrat zusammenarbeiten. Und wir werden auch bestimmt viel zusammen tun. Dadurch wird das jüdische Leben in Deutschland reicher.

Taz: Warum gab es bisher keine Rabbiner Ausbildungsstätte in Deutschland?

Walter Jacob: Vor 1990 war die Zahl der Juden in Deutschland zu klein dazu. Damals gab es etwa 17.000 bis 18.000 Juden, die Rabbiner kamen aus dem Ausland und das hat gereicht. Aber jetzt, mit beinahe 100.000 Juden und einer größeren Zahl in den Nachbarländern, ist es nötig, dass man Rabbiner hier ausbildet. Besonders auch darum, weil wir in den Vereinigten Staaten und in England nicht genug Rabbiner haben. Deshalb können wir nicht Rabbiner von dort hierher schicken

Taz: Gibt es genug Gemeinden für liberale Rabbiner, wenn sie hier mit der Ausbildung fertig sind?

Walter Jacob: Bestimmt. Allein zu unserer Union gehört zwar nur eine ganz kleine Zahl von Gemeinden 13 oder 14; aber andererseits gibt es da noch viele andere kleine Gruppen, die liberal sind und die langsam auf Gemeindegröße wachsen können. Und außerdem gibt es noch viele Gemeinden, die weder orthodox sind noch zu unserer Union gehören, die aber einen Rabbiner suchen. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 40 Stellen, wo Rabbiner gesucht, aber keine gefunden werden.

Taz: Werden dann die liberalen Rabbiner aus Ihrem Kolleg von den orthodox geprägten Gemeinden und auch von den anderen orthodoxen Rabbinern anerkannt werden?

Walter Jacob: Das wird so sein. Schon vorher waren liberale Rabbiner im Rabbinerverband. Und so glaube ich, dass wir keine Schwierigkeiten damit haben werden. Unsere Rabbiner werden gut ausgebildet. Sie werden dasselbe lernen wie die orthodoxen Rabbiner und noch viel mehr: Auch eine akademische Ausbildung erhalten sie.

Taz: Wie lange wird die Einheitsgemeinde in Deutschland überleben?

Walter Jacob: Das weiß ich wirklich nicht. Die Einheitsgemeinde ist ein politischer Weg, damit sich die Juden politisch ausdrücken und mit den Regierenden reden können. Das hat wirklich sehr wenig mit dem religiösen Leben der Juden zu tun.

Taz: Werden die Gemeinden genug Geld haben, die Rabbiner zu bezahlen? Viele sind ja ganz überwiegend geprägt von den russischen Juden, die oft noch keine Jobs haben.

Walter Jacob: Die Gemeinden der "Union" haben genug Geld, um Rabbiner einzustellen. Und die neuen Gemeinden wachsen. Vielleicht muss man sie zuerst unterstützen. Wir sind bereit, das zu tun. Andere, die Teil der Einheitsgemeinde sind, werden von dieser unterstützt. Ich glaube, dass ziemlich viele von ihnen auch dann unsere Rabbiner langsam annehmen. Es dauert doch fünf Jahre, bis ein Rabbiner ausgebildet ist, bis dahin wird sich viel geändert haben.

Taz: Glauben Sie, dass die von Ihnen ausgebildeten Rabbiner in diesem Land mit seiner schlimmen Vergangenheit bleiben wollen?

Walter Jacob: Die meisten der Rabbiner, die hier aufgewachsen sind und dann zu uns kommen, werden auch hier bleiben. Aber wir werden auch Rabbiner ausbilden, die aus dem Ausland kommen, aus den Niederlanden, der Schweiz.

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