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Pressespiegel Der Tagesspiegel, 27.02.04 Ein guter Freund Ein bisschen gebeugter ist er geworden. Aber sonst ist Alfred Grosser ganz der alte. Der bald Achtzigjährige, der sich gerne mit dem Journalistenwort charakterisiert, er sei ein „jüdisch geborener, dem Christentum geistig verbundener Atheist", gibt der Verleihung des Preises des Abraham Geiger Kollegs, der Ausbildungsstätte für Rabbiner in Potsdam, einen fast heiteren, jedenfalls aber von der Freude an der Freiheit des Denkens geprägten Grundton. In der französischen Botschaft in Berlin bezeugt der in Frankfurt geborene Franzose über die Jahrzehnte hinweg eine der Säulen der deutsch-französischen Verständigung - die Möglichkeit der Verständigung zwischen den Religionen und einem Atheismus aus dem Geist der Aufklärung. Seine Dankesrede mischt in bewundernswerter Weise aktuelle Bezüge, frisch aus dem letzten Zeitungsblatt, mit grundsätzlichen Positionen. Die Unglücks-Auseinandersetzung über den Begriff „Tätervolk", die der CDU-Abgeordnete Hohmann angestoßen hatte, kommentiert er mit der Erinnerung an die Verschleppung von Mitgliedern seiner Familie nach Auschwitz und an die Überlegungen, die ihn schließlich zu dem Schluss geführt haben, dass es keine Kollektivschuld gebe. Der Debatte über ein Mahnmal gegen Vertreibung - das er zur Vergangenheitsbewältigung für ungeeignet hält - setzt er die Initiative des Historikers Rudolf von Thadden entgegen, der die Versöhnung zwischen alten und neuen Bewohnern seines pommerschen Heimatorts Trieglaff betreibt. Und die Brücke zwischen Christen und humanistischen Atheisten erkennt er in einem Gott, der sich zum leidenden Menschen gemacht hat. An dem dadurch möglich gewordenen Zusammenwirken könnten, so Grosser, auch gläubige Juden teilnehmen. Das Menschenbild Grossers, das in dieser Rede wie in seinen Schriften
sichtbar wird. hatten zuvor zwei Laudatoren beschrieben -von jüdischer
Seite der Basler Gelehrte Ernst Ludwig Ehrlich, für die christliche
der Publizist Michael Mertes. Es ist ein liberales und offenes, in der
Aufklärung verankertes Bild, das sich gleichwohl die Achtung vor
der Religion bewahrt hat. Der französische Botschafter Claude Martin
hob eine andere Seite Grossers hervor: Zwar sorgte er ais leidenschaftlicher
Teilnehmer an der öffentlichen Diskussion oft auch für Irritation,
aber seine Stimme sei die „Stimme eines Gerechten"; Grosser
sei der erste gewesen, der „von Deutschland als einem Freund" gesprochen
habe. |
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