Video: Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich des 200. Geburtstages von Rabbiner Abraham Geiger in Berlin

Video Feature on the Abraham Geiger College, DW World, January 2007

Reportage über die Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Deutsche Welle, Januar 2007

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Der Tagesspiegel, 27.02.04

Ein guter Freund
Der französische Politologe Grosser erhielt den Abraham-Geiger-Preis

Ein bisschen gebeugter ist er geworden. Aber sonst ist Alfred Grosser ganz der alte. Der bald Achtzigjährige, der sich gerne mit dem Journalistenwort charakterisiert, er sei ein „jüdisch geborener, dem Christentum geistig verbundener Atheist", gibt der Verleihung des Preises des Abraham Geiger Kollegs, der Ausbildungsstätte für Rabbiner in Potsdam, einen fast heiteren, jedenfalls aber von der Freude an der Freiheit des Denkens geprägten Grundton. In der französischen Botschaft in Berlin bezeugt der in Frankfurt geborene Franzose über die Jahrzehnte hinweg eine der Säulen der deutsch-französischen Verständigung - die Möglichkeit der Verständigung zwischen den Religionen und einem Atheismus aus dem Geist der Aufklärung.

Seine Dankesrede mischt in bewundernswerter Weise aktuelle Bezüge, frisch aus dem letzten Zeitungsblatt, mit grundsätzlichen Positionen. Die Unglücks-Auseinandersetzung über den Begriff „Tätervolk", die der CDU-Abgeordnete Hohmann angestoßen hatte, kommentiert er mit der Erinnerung an die Verschleppung von Mitgliedern seiner Familie nach Auschwitz und an die Überlegungen, die ihn schließlich zu dem Schluss geführt haben, dass es keine Kollektivschuld gebe. Der Debatte über ein Mahnmal gegen Vertreibung - das er zur Vergangenheitsbewältigung für ungeeignet hält - setzt er die Initiative des Historikers Rudolf von Thadden entgegen, der die Versöhnung zwischen alten und neuen Bewohnern seines pommerschen Heimatorts Trieglaff betreibt. Und die Brücke zwischen Christen und humanistischen Atheisten erkennt er in einem Gott, der sich zum leidenden Menschen gemacht hat. An dem dadurch möglich gewordenen Zusammenwirken könnten, so Grosser, auch gläubige Juden teilnehmen.

Das Menschenbild Grossers, das in dieser Rede wie in seinen Schriften sichtbar wird. hatten zuvor zwei Laudatoren beschrieben -von jüdischer Seite der Basler Gelehrte Ernst Ludwig Ehrlich, für die christliche der Publizist Michael Mertes. Es ist ein liberales und offenes, in der Aufklärung verankertes Bild, das sich gleichwohl die Achtung vor der Religion bewahrt hat. Der französische Botschafter Claude Martin hob eine andere Seite Grossers hervor: Zwar sorgte er ais leidenschaftlicher Teilnehmer an der öffentlichen Diskussion oft auch für Irritation, aber seine Stimme sei die „Stimme eines Gerechten"; Grosser sei der erste gewesen, der „von Deutschland als einem Freund" gesprochen habe.

Rdh.

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