Video: Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich des 200. Geburtstages von Rabbiner Abraham Geiger in Berlin

Video Feature on the Abraham Geiger College, DW World, January 2007

Reportage über die Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Deutsche Welle, Januar 2007

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Der Tagesspiegel, 13.11.2000

Erstmals seit 1942 werden wieder Rabbiner ausgebildet
"Abraham Geiger Kolleg" in Potsdam feierlich eröffnet/ Judaist und Religionsphilosophin ausgezeichnet

von Alexander Pajevic

Potsdam. Mit einem Festakt wurde gestern Mittag in Potsdam die erste Ausbildungsstätte für Rabbiner in Deutschland nach dem Holocaust eröffnet. An der Veranstaltung im Nicolaisaal nahmen zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, der Berliner Kultursenator Christoph Stölzl, der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister des Landes Brandenburg, Jörg Schönmbohm, sowie Vertreter jüdischer Gemeinden. Das Kolleg ist nach Abraham Geiger benannt einem bedeutenden, in Berlin lehrenden jüdischen Reformtheologen des 19. Jahrhunderts. Mit der Errichtung des Kollegs soll an die Tradition der 1942 von den Nationalsozialisten als letzte Rabbinerausbildungsstätte geschlossene "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin angeknüpft werden. Die zukünftigen Rabbiner werden in einem fünfjährigen sowohl akademisch wie seelsorgerisch orientierten Studium unterwiesen, das in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Moses Mendelsohn Zentrum und den jüdischen Studien" der Universität Potsdam stattfindet. Sie gelten gleichzeitig als regulär eingeschriebene Studenten dieses Studienganges, Der Stiftungsfonds Deutsche Bank hat dafür an der Universität Potsdam eine Stiftungsprofessur mit dem Schwerpunkt rabbinische Studien errichtet. Das "Geiger Kolleg" wird nicht vom Zentralrat der Juden in Deutschland, sondern von der "Union Progressiver Juden" getragen, einem Zusammenschluss reformorientierter jüdischer Gemeinden im deutschsprachigen Europa. Die beiden Verbände pflegen zurzeit nur wenig Kontakt untereinander.

Der Präsident des Kollegs, Oberrabbiner Walter Jacob, sprach anlässlich der Eröffnung von einem "Tag der Erinnerung und der Zukunft'. Abraham Geiger, der seinerzeit mit einer Arbeit über Mohammeds Verhältnis zum Judentum promovierte, habe stets einen Dialog führen wollen. "Unser Studenten werden in diesem Dialog aufwachsen", sagte Jacob: "Wir wollen Studenten, die Seelsorger und Intellektuelle sind und am Leben ihrer Länder teilnehmen." Oberrabbiner Jacob bezeichnete die Eröffnung des Kollegs als Zeichen für eine gute Zukunft des Judentums in Deutschland und in ganz Europa.

Der "Zeit" Herausgeber und Vorsitzende des Kuratoriums des Abraham Geiger Kollegs, Josef Joffe, sagte, die Einrichtung werde dazu beitragen, dass die liberale jüdische Tradition wieder in dem Land aufblühen werde, von dem aus sie das Judentum in aller Welt befruchtet habe.

Jörg Schönbohm bezeichnete in seinem Grußwort die zukünftigen Rabbiner des Kollegs als junge Menschen, die Glauben und Bildung verbänden „Und wenn wir etwas in diesem Land brauchen, ist es diese Verbindung", fuhr er fort. Mit der Eröffnung werde das Land auch in eine Pflicht genommen, der man sich stellen wolle. Er hoffe, dass die Absolventen des Kollegs die Botschaft aus Potsdam mitnähmen, dass die Stadt wieder auferstanden sei, sagte Schönbohm.

Anlässlich der Eröffnung wurde am Sonntag der in Jerusalem lebende Judaist Paul Mendes Flohr mit der Ehrensenatorwürde des Kollegs ausgezeichnet; die in Amerika lehrende feministische Religionsphilosophin Susannah Heschel wurde mit dem erstmals verliehenen "Abraham Geiger Preis" geehrt.

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