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Pressespiegel Süddeutsche Zeitung, 13.11.2000 Ein Zeichen der Hoffnung Ein Professor fehlt noch, die ersten drei Studenten werden im Herbst 2001 kommen und trotz dem war die akademische Eröffnungsfeier in Potsdam mit Festrede, Gaudeamus Igitur und einem Empfang mit Wein und amerikanischen Bagels historisch. Erstmals seit dem Holocaust gibt es in Deutschland wieder ein Rabbinerseminar, das Geistliche für die schnell wachsenden jüdischen Gemeinden ausbilden soll. Weltweit bestehen nur noch in Israel, England und in den USA vergleichbare Ausbildungsstätten. Das Potsdamer Abraham Geiger-Kolleg sieht sich in der Tradition der liberalen "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums", die am 19. Juli 1942 von den Nazis geschlossen wurde; der jüdische Gelehrte Abraham Geiger hatte sie 1872 in Berlin eröffnet. Die Verbindung zu den liberalen Gemeinden in den Vereinigten Staaten und den "Progressiven Gemeinden" im deutschsprachigen Raum ist eng. Fünf Jahre dauert die Ausbildung zum Rabbiner. Sie vereint ein Studium der Judaistik mit einer praktischen rabbinischen und seelsorglichen Ausbildung. Dies "kommt, den Anforderungen an einen modernen Rabbiner entgegen, der erfolgreich in einer offenen Gesellschaft arbeiten möchte", heißt es in der Selbstdarstellung des Kollegs. Für die Ausbildung können sich Frauen und Männer bewerben. Doch damit könnten manche der mittlerweile mehr als 80 000 Juden in Deutschland Probleme bekommen. Die großen Einheitsgemeinden sind theologisch konservativ, selbst für Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Münchner jüdischen Gemeinde, ist eine Rabbinerin unvorstellbar. Elke Vera Kotowski, die Sprecherin des Kollegs, rechnet aber damit, "dass der Bedarf an Rabbinern größer ist, als die Bedenken es sind". Derzeit suchten in Deutschland etwa 80 Gemeinden einen Geistlichen. Bisher kämen Rabbiner aus den USA oder aus Israel, blieben oft nicht lange und müssten mehrere Gemeinden gleichzeitig betreuen. Man arbeite mit allen Gemeinden zusammen, sagt Elke Vera Kotowski: "Das jüdische Leben ist vielfältig geworden." Zur Eröffnung hat Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) geschrieben: "Gerade in diesen Tagen, in denen sich angesichts einer neuen Welle antisemitischer und fremdenfeindlicher Gewalt viele Juden entmutigt fühlen, setzen die Gründer ein Zeichen der Hoffnung". Was es heißt, in Deutschland ein Rabbinerseminar zu eröffnen, haben die Organisatoren schon erfahren: Die Potsdamer Polizei fragte vorsichtig, ob man die Studenten an irgendwelchen Hüten oder Schläfenlocken erkennen könne. Die Antwort: Sie sehen nicht anders aus als andere Studenten. |
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