Video: Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich des 200. Geburtstages von Rabbiner Abraham Geiger in Berlin

Video Feature on the Abraham Geiger College, DW World, January 2007

Reportage über die Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Deutsche Welle, Januar 2007

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Potsdamer Neueste Nachrichten, 13.11.2000

Rabbis im Hörsaal der Uni
Abraham Geiger Kolleg Potsdam eröffnet / Rabbinerausbildung auch für Frauen

von Marion Hartig

Über der Bühne des Nikolaisaals hängt überlebensgroß sein Porträt. Sein dunkles langes Haar lugt unter der Kipa hervor, lebendig blicken seine Augen, um den Mund liegt der Hauch eines Schmunzelns. Abraham Geiger, der Namenspatron des gestern eröffneten Abraham Geiger Kollegs. In Potsdam ist die erste deutsche Ausbildungsstätte für Rabbiner und Rabbinerinnen seit 1942, als die Hochschule für Wissenschaften des Judentums in Berlin von den Nazis geschlossen worden war.

Und festlich ging es zu während der Veranstaltung, bei der fast alle 900 Sessel des Nikolaisaals besetzt waren. In den ersten Reihen saß einige Prominenz: Vizepräsidentin des Bundestags, Antje Vollmer zum Beispiel, der stellvertretende Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Jörg Schönbohm, und Berlins Kultursenator Christoph Stölzl.

"Ein Tag mit historischer Bedeutung", meinte dann auch der Rektor der Universität, Wolfgang Loschelder, in seiner Ansprache und erläuterte den Ausbildungsweg der zukünftigen Rabbiner. Fünf Jahre dauert das Studium zur Nachwuchsrabbinerin beziehungsweise zum Nachwuchsrabbiner. Eine akademische Lehre steht auf dem Stundenplan der Eingeschriebenen: Sie sind reguläre Teilnehmer des seit 1994 an der Universität bestehenden Studiengangs jüdische Studien und werden in den Hörsälen neben den Philosophie , den Geschichtswissenschafts und den Soziologie Studierenden Platz nehmen. Daneben erhalten sie am Kolleg eine gemeindepraktische Ausbildung. Auch ein Jahr Israel ist für die Studenten eingeplant. Abgeschlossen wird das Studium mit einer rabbinischen Dissertation. Die Masters Qualifikation in Judaistik und die Ordination durch eine rabbinische Autorität sind die nächsten Schritte auf dem Weg in die Glaubensgemeinde oder in die Wissenschaft.

Rabbiner, "die gute Seelsorger seien und gleichzeitig Intellektuelle", darauf sei die Ausbildung des Kollegs ausgerichtet, erklärte Oberrabbiner Walter Jacob. Allgemeinbildung, ein breites Weltbild und Verständnis der Weltreligionen, das seien die Inhalte, die den zukünftigen Glaubensgelehrten vermittelt werden sollen. Die Universität sei dafür ein optimales Umfeld, hätten doch hier Juden und Nichtjuden viel miteinander zu tun, begrüßte der Oberrabbiner die Kooperation mit der Universität. Und für diese liberale Ausrichtung steht auch der Namenspatron des Kollegs. Der selbstbewusste Reformer Geiger habe in seiner Zeit für Offenheit, Mut, Toleranz und Freiheit des jüdischen Denkens gestanden und den Dialog mit den Weltreligionen gesucht, erläuterte Jacob. Was sich im 19. Jahrhundert nicht habe umsetzen lassen, ließe sich nun fast zwei Jahrhunderte später verwirklichen.

Nicht nur die Ausbildung an sich ist ein Meilenstein in der deutsch jüdischen Geschichte. In einem weiteren Punkt zeigt sich das Kolleg äußerst progressiv: Frauen sind am Kolleg nicht nur zugelassen, sondern gar erwünscht. Zur Hälfte sollen die Studenten weiblich sein, sagte Jacobs. Eine weltweite Besonderheit gibt es doch über den Globus verteilt insgesamt nur zehn Rabbinerschulen, an denen Jüdinnen sich zu Rabbinerinnen ausbilden lassen können.

Die Kollegstudenten, eine Bereicherung für die Universität, findet Unirektor Loschelder. Mit dem Kolleg wird das jüdische Leben der Landeshauptstadt bereichert und die Gemeinde gestärkt, hofft Nikolai Epstein, der stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Potsdam. Im nächsten Wintersemester schon werden sich die zukünftigen Rabbiner unter die Studenten mischen. Die Bewerbungen laufen, ist von Jacobs zu erfahren, nur ein Rektor müsse bis dahin noch gefunden werden.

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