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Pressespiegel Berliner Morgenpost, 13.11.2000 Das erste Rabbinerseminar nach dem Krieg
in Deutschland Potsdam. Das erste Rabbinerseminar in Deutschland seit 1942 wurde gestern in Potsdam eröffnet. Die historische Stunde erlebten zahlreiche Vertreter von jüdischen Organisationen aus den USA, Israel und mehreren europäischen Staaten in einem Festakt im Nikolaisaal. Erschienen waren auch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Antje Vollmer (B 90/Die Grünen) sowie zahlreiche Politiker, Vertreter des Diplomatischen Korps und Wissenschaftler. Auch Mitglieder der jüdischen Gemeinden von Potsdam und Berlin feierten die Gründung der einzigen Rabbinerschule in Deutschland. Innenminister Schönbohm vertrat die Landesregierung. Oberbürgermeister Matthias Platzeck fehlte allerdings. Alle Redner betonten, dass die Eröffnung des Abraham-Geiger Kollegs einer der Meilensteine in der neuen deutsch jüdischen Geschichte sei. Weltweit gibt es nur noch in Israel, England und den Vereinigten Staaten ähnliche Ausbildungsstätten für Rabbiner. Abraham Geiger lebte von 1810 bis 1874 und war einer der bedeutendsten jüdischen Theologen des 19. Jahrhunderts. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Judentum, dem Islam und der christlichen Religion. 1870 wurde er Rabbiner in Berlin und gründete die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die spätere Hochschule. Die Nazis zerstörten 1942 die Ausbildungsstätte. Studenten und Lehrer wurden, wenn sie nicht schon geflüchtet waren, deportiert und ermordet. "Mit dem neuen Kolleg erhält Potsdam die Chance, zur Erneuerung des jüdischen Geistes und des Intellektes in Deutschland beizutragen", waren sich jüdische Geisteswissenschaftler und Politiker einig. Erstmals wurde gestern der Abraham-Geiger Preis verliehen. Er ging an die amerikanische Religionsphilosophin Susannah Heschel für ihr Buch "Der jüdische Jesus und das Christentum", das demnächst in deutscher Sprache erscheint. Deutschland erlebt in den letzten zwei, drei Jahren einen ungeheuren Aufschwung jüdischen Lebens. Es gibt mehr als 80 Gemeinden in Deutschland. Allein in Brandenburg haben sich inzwischen mehr als 700 jüdische Bürger in acht Gemeinden etabliert. Sie benötigen dringend Rabbiner, Kantoren und Religionslehrer. Das Abraham Geiger Kolleg will in den nächsten Jahren den Bedarf an Geistlichen nicht nur in Deutschland decken. Auch für die jüdischen Gemeinden in den anderen europäischen Ländern soll die neue Ausbildungsstätte die wissenschaftlichen Grundlagen legen. Der Studiengang sieht einen ein jährigen Aufenthalt in Israel und zwei praktische Jahre in jüdischen Gemeinden vor. Er basiert auf einer privaten Initiative, die eine rabbinische Führung der jüdischen Gemeinden und ihrer 200 000 Mitglieder in Zentraleuropa zum Ziel hat. |
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