Video: Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich des 200. Geburtstages von Rabbiner Abraham Geiger in Berlin

Video Feature on the Abraham Geiger College, DW World, January 2007

Reportage über die Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Deutsche Welle, Januar 2007

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Märkische Allgemeine Zeitung, 13.11.2000

Warum Potsdam?
Gespräch mit Oberrabbiner Walter Jacob, Präsident des Geiger Kollegs

Mit einem Festakt wurde gestern im Nikolaisaal das Abraham Geiger Kolleg eröffnet. Das erste deutsche Rabbinerseminar nach dem Zweiten Weltkrieg sieht sich in der Tradition der von Geiger gegründeten reformorientierten Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die 1942 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Zur Feierstunde kamen auch die heute in den USA lebenden Nach- kommen des liberalen Theologen Geiger, Rudy Baum und dessen Tochter Karen. Präsident des Kollegs, das im nächsten Jahr im Moses Mendelssohn Zentrum seine Arbeit aufnehmen soll, wird Oberrabbiner Walter Jacob. Er war 42 Jahre lang Rabbiner in Pittsburgh (USA). Mit ihm sprach Lane Czeremin.

Herr Jacob, was hat Sie persönlich erwogen, jetzt nach Deutschland zu kommen?
Walter Jacob: Nun, zunächst bin ich ja in Deutschland geboren, 1930 in Augsburg. Seit ich mich vor drei Jahren aus dem Gemeindeleben in Pittsburgh zurückgezogen habe, besuchte ich Deutschland öfter und dachte mir, hier muss man etwas tun für das jüdische Leben, das ja gerade erst wieder im Aufbau ist.

Warum wurde Potsdam als Platz für das Seminar ausgewählt? Gab es noch andere Städte, die in Betracht kamen?
Jacob: Nein, man hat sich sofort an Potsdam gewandt, weil es hier das Moses Mendelssohn Zentrum gibt und einen gut aufgebauten Universitätsstudiengang für Jüdische Studien. Ich war selbst vor zwei Jahren ein Semester lang als Gastprofessor am Moses Mendelssohn Zentrum. Daneben spielte natürlich eine Rolle, dass in Berlin eine große jüdische Gemeinde existiert. Und wir haben hier Schloss Sanssouci (lächelt), was könnte schöner sein?

Worauf werden Sie die angehenden Rabbinerinnen und Rabbiner vorbereiten, was sind heute die zentralen Herausforderungen?
Jacob: Sie müssen lernen, überhaupt ein religiöses Leben aufbauen zu können. Weil viele Gemeinden so jung sind, ist es schon schwierig, sie überhaupt zu organisieren. Und vor allem ist es wichtig für Rabbiner, auch mit jüngeren Leuten arbeiten zu können, ihnen ein tieferes jüdisches Denken zu vermitteln. Dabei legt das Kolleg Wert auf Pluralismus.

Nikolaj Epchteine, der stellvertretende Vorsitzende der Potsdamer jüdischen Gemeinde, sagte zum Festakt, er begrüße Engagement aus verschiedenen jüdisch religiösen Strömungen. Spielt der Konflikt zwischen Ihrer liberalen Richtung und orthodoxeren bei der Ausbildung eine Rolle?
Jacob: Für mich ist das kein wirklicher Konflikt. Es gibt genug für jeden zu tun. Und wir arbeiten gern mit jedem aus der jüdischen Gemeinde zusammen.

Gab es Widerstände von orthodoxer Seite gegen das Seminar?
Jacob: Am Anfang ja. Aber ich habe schon lange nichts mehr von ihnen gehört. Sie werden verstanden haben, dass es für die Zukunft gut ist, wenn man ein Seminar hat, an dem man Rabbiner ausbilden kann.

Wie viele Studenten werden denn im Seminar lernen ?
Jacob: Das wissen wir noch nicht. Wir haben ein Prozedere, dass es uns ermöglicht, selbst auszuwählen, wer für das Kolleg tatsächlich geeignet ist. Bisher haben wir 25 bis 30 Bewerber, nicht nur aus Deutschland, auch zum Beispiel aus Italien, Holland und Polen. Ich habe sie noch gar nicht alle gesehen.

Wo wohnen Sie derzeit?
Jacob: Ich lebe noch in Pittsburgh. Aber wenn das Seminar nächstes Jahr beginnt, werde ich in Potsdam wohnen.

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