Video: Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich des 200. Geburtstages von Rabbiner Abraham Geiger in Berlin

Video Feature on the Abraham Geiger College, DW World, January 2007

Reportage über die Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Deutsche Welle, Januar 2007

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Märkische Allgemeine Zeitung, 10.11.2000

Rabbinerkolleg zwischen Poesie und Praxis In Potsdam wird das erste mitteleuropäische Seminar für jüdische Theologen seit Ende des Zweiten Weltkriegs eröffnet
von Dirk Pilz

Auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Erforschung des Judentums hat sich Potsdam innerhalb der letzten Jahre mehr als einen guten Ruf errungen. Neben dem Fachbereich Jüdische Studien an der Universität beherbergt die brandenburgische Landeshauptstadt als wichtige Forschungsstätte auch das Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ). Jetzt wird hier zudem das erste mitteleuropäische Rabbinerseminar seit fast 60 Jahren gegründet.

Ein internationales Kuratorium unter dem Vorsitz von Josef Joffe, Herausgeber der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit", wird die Einrichtung am Sonntag in Potsdams neuem Konzerthaus, dem Nikolaisaal, feierlich eröffnet: das Abraham Geiger Kolleg Potsdam.

Der Namensgeber hatte als wichtiger Vertreter des deutschen Reformjudentums in Berlin die Gründung einer jüdisch theologischen Fakultät und 1872 einer Hochschule 'für die Wissenschaft des Judentums' ermöglicht, sein Interesse erstreckte sich auf fast alle Gebiete des jüdischen Geisteslebens von der Bibel und der Mischna (Gesetzessammlung aus dem 2. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung) bis zur historischen, philosophischen, poetischen und theologischen Literatur des Mittelalters und der Neuzeit.

1942 wurde die Hochschule von den Nationalsozialisten geschlossen. Die Initiative zur Gründung des Abraham Geiger Kollegs, das neben der Forschung vor allem der Ausbildung von Rabbinern dient, entstand bereits 1999.

Das Kolleg ist eine internationale und private Institution, die in enger Zusammenarbeit mit der World Union for Progressive Judaism und dem Hebrew Union College einen fünfjährigen Studiengang erarbeitet hat. Die Vorlesungen und Seminare werden zum Teil von den Universitäten in Potsdam und Berlin getragen - eine lobenswerte Kooperation über bürokratische Hürden hinweg. Hinzu kommt eine Professur, die der Stiftungsverband für die deutsche Wissenschaft finanziert. Bis der Lehrbetrieb beginnt, wird allerdings noch ein Jahr vergehen. Aber schon jetzt sind klare Konturen für die Ausbildung festgelegt, zu der unter anderem ein Studienjahr in Israel und Aufenthalte in Nordamerika gehören.

Wichtige Themen des Studiums sind die Betreuung der oft noch im Aufbau befindlichen Gemeinden sowie Fragen der Seelsorge, besonders für Juden aus Osteuropa, die Anschluss an neue Gemeinden suchen. Das Kolleg lebe vom Gedanken eines offenen, liberalen Judentums, das "seiner Rolle in der modernen Gesellschaft gerecht wird" sagt EIke Vera Kotowski vom Moses Mendelssohn Zentrum. Das MMZ wird nicht nur die Verwaltungsarbeit übernehmen, sondern auch die rabbinische Bibliothek beherbergen.

Die Gründung des Rabbinerseminars verstehen die Initiatoren nicht zuletzt als ein Zeichen gegen Antisemitismus und für einen weit offenen Umgang mit verschiedenen Kulturen. Während der Eröffnungszeremonie wird neben dem Präsidenten des Abraham Geiger Kollegs, Rabbi Walter Jacob, und Vertretern der Landesregierung und Universität Potsdam auch die Religionsphilosophin Susannah Heschel sprechen, Trägerin des mit 10000 Mark dotierten Abraham Geiger Preises, der für besondere Arbeiten auf dem Feld der Judaistik vergeben wird. Anfragen wegen eines Studienplatzes gibt es übrigens bereits aus den verschiedensten Ländern, von jungen wie von älteren Semestern.

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