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Pressespiegel Focus, 29.03.2004 Kippa und Flecktarn Bericht des Nachrichtenmagazins Focus über Juden in der Bundeswehr
und Ungewöhnliche Passagiere hatte die Fregatte „Niedersachsen“ an Bord, als sie am ersten Märzsonntag von Wilhelmshaven zur Übung auslief. Erstmals teilten zwei angehende Rabbiner, Konstantin Pal, 25, und Boris Ronis, 28, den Alltag mit den Bundeswehr-Matrosen. Seine Mutter, sagt Pal, wollte nur wissen, „ob das Schiff sicher ist“. Die jungen Deutschen sammeln Erfahrungen über das Leben der Soldaten – unter den Fittichen des katholischen Militärpfarrers Alfons Gordecki. Ein dritter Student, Tom Kucera, 33, ist bei der Luftwaffe Gast des evangelischen Pfarrers Axel Mittelstädt. Am Mittwoch ist das vierwöchige Praktikum beendet. „Militärseelsorge ist ein Teil der Ausbildung", sagt Walter Homolka, Direktor des Abraham Geiger Kollegs an der Uni Potsdam. Seit 1999 wird dort Rabbiner-Nachwuchs für Europa ausgebildet. Die Kirchen unterstützen den Kontakt zwischen Soldaten und jungen Juden. Denn beim Bund arbeiten keine Militärrabbiner wie etwa in den USA, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden oder Ungarn. Verteidigungsminister Peter Struck setzte sich persönlich für die Hospitanzen ein. Glaubensbrüder haben die Rabbiner nicht getroffen. Etwa 150 Juden,
schätzt
das Verteidigungsministerium, tun Dienst – alle freiwillig: Nachfahren
der Holocaustopfer sind bis zur dritten Generation gesetzlich von der
Wehrpflicht befreit. Etliche haben auch heute noch Vorbehalte gegen die
Bundeswehr. So gaben traditionelle Juden Paul Spiegel kräftig Seit November 2003 ist Homolka indes Major der Reserve und Verbindungsoffizier – der erste bundesdeutsche Soldat mit dem Zivilberuf Rabbiner. Aus „Verantwortung für diese Gesellschaft", so Homolka. Die Bundeswehr sei „gerade nicht die Fortsetzung der Wehrmacht mit anderen Mitteln“. Das Berliner Lazarettregiment 31 schneiderte ihm eigens eine Kippa – in Tarnfarben. Reserveleutnant Michael Fürst sieht seine Glaubensbrüder in der Pflicht. Das Zentralrats-Mitglied: „Es ist völlig legitim, wenn Juden zur Bundeswehr gehen und gehen müssen.“ Berufssoldat mit Leib und Seele ist Michael Berger. Sein Großvater hatte als einer von 77 000 Juden im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft. „Der Holocaust hat die militärische Tradition der Familie unterbrochen, nicht zerstört“, sagte der Berliner Oberleutnant der jüdischen Zeitung „Aufbau“. Berger wirkte an einer Ausstellung über jüdische Soldaten in deutschen Armeen mit, die jetzt in der Berliner Blücher-Kaserne zu sehen ist. Sonderwünschen von Minderheiten trägt die Bundeswehr durchaus Rechnung. Die schweinefleischfreie Ernährung von „einigen Tausend“ moslimischen Soldaten werde berücksichtigt, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Täglich koscheres Essen könne man aber nicht garantieren. |
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