![]() |
![]() |
|
|
|||||||||||||||
![]() |
|
Pressespiegel Berliner Zeitung, 13.11.2000 Rabbiner, die intellektuell Anteil am
Leben nehmen Das erste Rabbinerseminar Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ist am Sonntag in Potsdam eröffnet worden. Bei einem Festakt im Nikolaisaal würdigten Vertreter von jüdischen Organisationen, Kirchen und wissenschaftlichen Institutionen die Einrichtung des Kollegs als "historische Stunde". Vom Wintersemester 2001/2002 an sollen drei bis fünf Studenten innerhalb von fünf Jahren zum Religionslehrer, Prediger und Seelsorger für jüdische Gemeinden in ganz Europa ausgebildet werden. "Wir haben erst geträumt, dann gehofft und geplant. Jetzt ist es Realität", sagte Oberrabbiner Walter Jacob vor rund 300 Gästen aus dem In- und Ausland. In dem Kolleg würden Frauen und Männer für das Judentum in ganz Europa ausgebildet. "Wir wollen Rabbiner haben, die gute Seelsorger sind, aber auch intellektuell Anteil am Leben vor Ort nehmen können", betonte der Oberrabbiner. Der Studiengang sieht einen einjährigen Aufenthalt in Israel und zwei praktische Jahre in jüdischen Gemeinden vor. Er basiert auf einer privaten Initiative, die eine rabbinische Führung der jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa mit rund 200 000 Mitgliedern zum Ziel hat. Derzeit gibt es weltweit nur noch in Israel, England und den Vereinigten Staaten ähnliche Ausbildungsstätten für Rabbiner. Das Uni-Kolleg ist nach Abraham Geiger benannt, unter dessen Leitung 1872 die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin entstand. Sie wurde 1942 von den Nazis geschlossen. Die neue Ausbildungsstätte ist an das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam unter Leitung von Julius Schoeps angegliedert. Der Rektor der Universität Potsdam, Wolfgang Loschelder, will den sich an der Hochschule bildenden wissenschaftlichen Schwerpunkt auf dem Gebiet des jüdischen Lebens auch in Zukunft nachdrücklich fördern. Aus dem Stiftungsfonds der Deutschen Bank wird für das Kolleg eine fünfjährige Stiftungsprofessur "Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt rabbinische Studien" finanziert. Anschließend soll der Lehrstuhl von der Universität übernommen werden. Im Rahmen des Festaktes wurde der zurzeit an der Hebrew University in Jerusalem lehrende Paul Mendes-Flohr zum Ehrensenator für den Studiengang ernannt. Erstmals wurde der Abraham-Geiger-Preis an die amerikanische Religionsphilosophin Susannah Heschel für ihr in Amerika viel beachtetes Buch "Der jüdische Jesus und das Christentum" verliehen. |
||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||