Video: Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich des 200. Geburtstages von Rabbiner Abraham Geiger in Berlin

Video Feature on the Abraham Geiger College, DW World, January 2007

Reportage über die Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Deutsche Welle, Januar 2007

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Aufbau, 02.11.2000

Abraham Geiger Preis 2000 an Susannah Heschel
Religionsgeschichte gegen den Strich gelesen

Der Aufbau druckt hier vorab Auszüge aus der Akzeptanzrede Susannah Heschels, die sie zur Verleihung des Abraham Geiger Preises in Potsdam hält.

Kein anderer jüdischer Denker des 19. Jahrhunderts hat uns ein so starkes und vitales Vermächtnis hinterlassen wie Abraham Geiger. In vielen Bereichen der Wissenschaft, im Studium des Islams, des Christentums und Judentums folgen wir seinem System und bestätigen seine Ergebnisse. Als liberale Juden unterstützen wir sein Verständnis des rabbinischen Judaismus, das motiviert ist von dem Wunsch nach der Demokratisierung der jüdischen Religionsvorschriften, und wir setzen den Weg fort, den Abraham Geiger angestoßen hat, indem er die Themen benannt hat, die für unsere Generation von Juden im Vordergrund stehen: gleiche Rechte für Frauen, ein Ende der Diskriminierung, die auf sexueller Orientierung basiert, das Verständnis dafür, dass auf Judentum nicht auf Orthodoxie begrenzt ist.
Wir bleiben ebenfalls bei der Betonung der religiösen Gabe des jüdischen Volkes und seiner Integration von Fortschritt und neuen Ideen.

Hätte Geiger einen Preis erhalten?
Ich nehme diesen Preis an als posthumen Tribut für die Arbeit eines sehr großen Lehrers und Rabbis, Abraham Geiger. Und ich frage mich selbst, was wäre geschehen, wenn ein Preis für jüdische Forschung in Deutschland verliehen worden wäre noch zu Lebzeiten Geigers? Hätte er diesen erhalten, und für welche seiner großen Leistungen?
Geiger hat einmal einen Preis gewonnen, 1832, als er gerade 22 Jahre alt war, von der Universität Bonn für seine Aufsätze, die ein Jahr früher als Buch veröffentlicht wurden: Was hat Muhammad aus dem Judenthume aufgenommen?
Das Buch wurde in ganz Europa begeistert aufgenommen als eine große Forschungsarbeit. Sylvestre Antoine de Sacy, der namhafte französische Islamist, erklärte, dass Geigers Buch alle vorherigen Versuche überflüssig mache, den jüdischen Einfluss auf Mohammed zu zeigen.
Der berühmte deutsche Bibelforscher Heinrich Ewald lobte ebenfalls dieses Buch, und er schrieb, dass obwohl Beziehungen zwischen Judentum und Islam unter Forschern bereits bekannt seien, Geiger zum ersten Mal definitiv die präzisen textuellen Verbindungen herausgearbeitet habe.

Den Islam erst ermöglicht Geiger war erst 22, als er den Preis gewann, gerade am Beginn seiner Karriere. Dieses erste Buch war "wichtig, weil Geiger eine Argumentationsform entwickelte, die für seine späteren Arbeiten zum Christentum und seinen Verbindungen zum Judentum zentral wurde. Indem die Herkunft des Islams vom rabbinischen Judentum bewahrt wurde, formte Geiger ein historisches Argument; das wir heute die "Gegengeschichte" nennen, eine Geschichte "gegen den Strich", in Walter Benjamins Formulierung. Während der ehrwürdige Peter, im Mittelalter, das Judentum für die Ausbreitung des Islams verantwortlich machte, verkehrte Geiger dieses Argument. Das Judentum wurde nicht getadelt für den Islam, sondern gelobt das Judentum, so argumentierte er, verdient Respekt und Anerkennung dafür, dass es die Entwicklung einer der großen monotheistischen Religionen ermöglichte, und die Juden sollten stolz sein auf ihr Geschenk an die westliche Zivilisation.
Mein Buch analysiert beide Seiten des theologischen Skandals, der als Konsequenz aus Geigers Arbeit folgte, mit besonderem Blick sowohl auf die jüdische als auch christliche Theologiegeschichte, wie sie in Deutschland geschrieben wurde. Was offenbaren die Schriften Geigers über den Zustand der deutschen Juden im 19. Jahrhundert, besonders die Wissenschaft des Judentums, und was können sie beitragen zu der zeitgenössischen jüdisch christlichen Diskussion?
Im Laufe meiner Forschung habe ich mich davon überzeugen können, dass die von Geiger vorgetragenen Argumente dem vorherrschenden Bild der Wissenschaft des Judentums widersprechen, Assimilation und Apologetik zu betreiben ... Geiger gibt weder die Interessen der Juden preis, noch sucht er einfach. die jüdische Geschichte in das größere Bild des christlichen Westens zu subsumieren. Stattdessen, so argumentiere ich in meinem Buch, versuchten jüdische Geschichtler das standardisierte Portrait europäischer Geschichte zu zerstören, indem sie auf den christlichen Westen aus der Perspektive der jüdischen Erfahrung blickten. Das war ein rebellischer Versuch, ein Streit mit der vorherrschenden Perspektive, wie sie aus christlicher Sicht etabliert wurde. Geigers Arbeit repräsentiert eine Revolte der Kolonialisierten, indem er die Instrumente der Geschichtsschreibung anwendet, um Widerstand zu leisten gegen die christliche intellektuelle Hegemonie. Diese Vorherrschaft funktionierte, wie Antonio Gramsci es beschrieb, aufgrund der Zustimmung und Partizipation der Untergebenen.
Die intellektuelle Hegemonie begann zu enden, als in der Wissenschaft des Judentums die Geschichte der Christenheit nicht beschrieben wurde als die Wurzel der westlichen Zivilisation, sondern als ein Ast der jüdischen Geschichte. Das Judentum war nicht ein ausgetrockneter Ast der Bibel, wie einige Christen glaubten, sondern der Stamm, der zwei Äste hervorbrachte, Christentum und Islam. In Geigers Analyse versuchte Jesus selbst das Judentum zu liberalisieren so wie die pharisäischen Rabbiner seiner Tage. Paulus übernahm die jüdische Botschaft des Monotheismus and brachte es in die heidnische Welt, vermischte es dabei mit paganen Vorstellungen, die schließlich als Dogmen dem Judentum fremd waren, etwa die Inkarnation, die Jungfrauengeburt, die Dreifaltigkeit, Konzepte also, die Jesus selbst abgewiesen hätte ...

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