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Pressespiegel Aufbau, 02.11.2000 Die Theologin Susannah Heschel erhält
den ersten Abraham Geiger Preis Am 9. November wird Susannah Heschel nach Deutschland fliegen. „Und dann auch noch mit Lufthansa. Ist das nicht seltsam?“ Es gab keinen Plan im Leben der Theologin, der den Kontakt mit Deutschland überhaupt jemals wieder vorsah. Aber sie ist dennoch immer wieder in Deutschland gewesen, als DAAD Stipendiatin, als Dozentin und jetzt als Preisträgerin des ersten Abraham-Geiger-Preises für ihr Buch Abraham Geiger and the Jewish Jesus. Ihr Vater, der berühmte Theologe und Rabbiner Abraham Joshua Heschel hat ihr viel von Berlin erzählt. Immer dann, wenn seine kleine Tochter Susannah gefragt hat: „Was würden wir jetzt in Berlin tun, wenn wir noch dort leben würden? Dann hat der Rabbiner, der sehr viel zu Spiritualität und Ethik geschrieben und publiziert hat, vom Theater erzählt, von Konzerten und von der Freiheit der Wissenschaften. Abraham Heschel flüchtete 1939 in die USA, seine Schwester und seine Mutter wurden ermordet. Er ist nie wieder nach Deutschland oder in seine polnische Heimat gereist. Susannah Heschel ist vor der Wende durch die DDR gefahren, war in Berlin vor und nach dem Mauerfall und die Erinnerung an die Erzählungen ihres Vaters kam hoch. Ihre Eltern haben sich in Amerika eingelebt, aber ein Exilgefühl blieb: „Ich bin in einem Milieu aufgewachsen, in dem Schiller und Goethe das Größte waren.“ Sie hat sich während ihrer Aufenthalte in Deutschland fremd gefühlt: „Die Menschen sind unfreundlich, sie lächeln nicht. Auch wenn ich weiß, sie tun es in Amerika aus Oberflächlichkeit - das freundliche Gesicht ist mir lieber.“ Susannah Heschel ist, ihrem Vater folgend, Theologin geworden und sie lehrt als Professorin am Dartmouth College in New Hampshire. Sie ist eine begehrte Rednerin, hat acht Bücher herausgebracht, eine lange Publikationsliste und sie hat dem Feminismus und der Frauenforschung im Judentum neue Akzente gesetzt. Die von ihr herausgebene Aufsatzsammlung On Being a Jewish Feminist: A Reader ist ein Standardwerk in den USA, und sie hat immer wieder neue Formen der Liturgie gefordert, für Einschnitte im Leben, die Frauen ganz besonders berühren. In knapp zwei Monaten wird Susannah Heschel zum zweiten Mal Mutter. Mit Abraham Geiger und seinem umfangreichen Werk hat sie sich ausführlich
beschäftigt. An dessen „Hochschule für die Wissenschaft
des Judentums“ studierte einst ihr Vater. Sie untersuchte in dem
nun ausgezeichneten Buch unter anderem die Aussagen, die Abraham Geiger
zum Christentum machte und stellte fest, daß Geiger dagegen rebellierte,
daß die christliche Theologie die jüdische Tradition für
sich einnahm, sie „kolonisierte“. Viele seiner Thesen sind
auch heute noch aktuell und es ärgert Susannah Heschel, das einige
christliche Theologen die Wurzeln im Judentum so klein wie möglich
halten wollen. Bei ihren Studienaufenthalten in der damaligen DDR hat sie Unterlagen gefunden, über protestantische Theologen, die versuchten, eine Symbiose zu schaffen zwischen dem Nationalsozialismus und dem Christentum. Sie erklärten Jesus zum Arier. Darüber wird ihre nächste Arbeit erscheinen |
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