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Abraham Geiger (1810-1874)
Vor seinem Amtsantritt in Berlin war Abraham Geiger Rabbiner in Wiesbaden,
Breslau und Frankfurt am Main. 1870 folgte er einem Ruf nach Berlin und
hielt am 7. Februar 1870 seine Antrittspredigt in der Neuen Synagoge.
Dazu schrieb die „Allgemeine Zeitung des Judentums“ am 8.
Februar 1870:
"Das große Gebäude war gedrängt voll, wie sonst
nur an hohen Festtagen. Der Redner sprach 1 ½ Stunde. Der Eindruck
war ein sehr günstiger. Er (…) machte Front gegen das Christentum
wie gegen die sg. Orthodoxie in entschiedener Weise."
Abraham Geiger war ein bedeutender Vorkämpfer für eine Reform
des Judentums und forschte auf dem Gebiet der Wissenschaft des Judentums.
Er gab die „Wissenschaftliche Zeitschrift für Jüdische
Theologie“ (1835-1847) und die „Jüdische Zeitschrift
für Wissenschaft und Leben“ (1862-1874) heraus und veröffentlichte
zahlreiche Schriften, darunter „Was hat Mohammed aus dem Judentum
aufgenommen?“ (1833) und „Urschrift und Übersetzungen
der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der inneren Entwicklung des
Judentums“ (1857).
Die Eröffnung der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums
am 6. Mai 1872 in Berlin ist auch auf Geigers langjährige Bemühungen
um die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät zurückzuführen.
Sein Wunsch, zum Direktor des bereits 1854 in Breslau gegründeten
Jüdisch-Theologischen Seminars berufen zu werden, hatte sich ebenso
wenig erfüllt, wie die Begründung einer wissenschaftlich-theologischen
Fakultät in Frankfurt am Main. So hatte er die Annahme seiner Berufung
als Rabbiner nach Berlin von der Errichtung einer Hochschule abhängig
gemacht. Zwei Jahre lang, bis zu seinem Tod im Jahre 1874, war Abraham
Geiger als Dozent an der Hochschule tätig.
In der Neuen Synagoge, „der Hauptstätte seiner bisherigen
Wirksamkeit“, wie die „Allgemeine Zeitung des Judentums“ am
3. November 1874 schrieb, fand am 26. Oktober 1874 die Trauerfeier für
den Rabbiner statt. Offenbar war es, ähnlich wie auch sechs Jahre
später nach dem Tode von Rabbiner Joseph Aub, schwierig, einen geeigneten
Nachfolger für Geiger zu finden. Die „Allgemeine Zeitung des
Judentums“ schrieb am 21. September 1875: „Seit Geigers Tod
ist die Rabbinerstelle vakant.“(1)
Abraham Geiger, "der Mann mit dem güldenen Herzen", hatte
drei Leitmotive des Handelns. Er glaubte zutiefst an die Freiheit des
Gewissens und des Glaubens, an die Freiheit der Wissenschaft und an die
Freiheit aller Menschen. Diesen Werten fühlen wir uns auch heute
verpflichtet.
(1) Aus: „Tuet auf die Pforten“: die Neue Synagoge 1866 1995;
Begleitbuch zur ständigen Ausstellung der Stiftung „Neue Synagoge
Berlin – Centrum Judaicum“. Hg. v. Hermann Simon; Jochen
Boberg. Berlin: Stiftung Neue Synagoge Berlin / Centrum Judaicum 1995.
S. 107 – 108
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