Aktuelles
Rabbiner - Made in Germany
25.11.2011 Abraham Geiger Kolleg, Rabbiner Seminar
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Rabbiner und Rabbinerinnen,
Herr Rabbiner Professor Homolka,
Herr Innenminister,
Lieber Jossi Schuster,
Meine Damen und Herren,
Heute ist für uns ein Feiertag, ein Freudentag und zugleich ein Fest der Hoffnung. Wir setzen heute gemeinsam hier ein Signal von neuer Zuversicht. Es ist doch bekannt: Wir hungern nach rabbinischer Betreuung. Neue Rabbiner braucht das Judentum in Deutschland, sogar noch viele mehr. Lange haben wir hier auf einem jüdisch und rabbinisch ausgetrockneten Terrain gelebt.
Neue Rabbiner sind daher wie ein frischer Regen von Hoffnung für uns. Wir brauchen neue Rabbiner hier wie die Luft zum Atmen. Rabbiner sollen uns den Himmel zwar etwas näher bringen. Aber Rabbiner fallen leider doch nicht einfach vom Himmel. „Geh, mache Dir einen Lehrer“ sagen schon unsere Weisen in den Sprüchen der Väter, den Pirkei Awot. Wir müssen uns also schon selbst die Rabbiner machen, die wir brauchen und uns selbst darum bemühen.
Ich will mich daher ausdrücklich bedanken bei allen, die die neue Ausbildung möglich machen. Im Abraham Geiger Kolleg und auch im Hildesheimer Rabbinerseminar, wo die traditionelle Richtung gepflegt wird, haben wir nunmehr zwei renommierte Rabbinerseminare, die beide vom Zentralrat substanziell gestützt und mitgetragen werden und auf die wir alle gemeinsam stolz sein können. Und die auch noch so viel leisten sollen in der Zukunft.
Denn wir sind doch noch lange nicht fertig. Wir brauchen noch viele Rabbiner mehr, mindestens noch 100 mehr: Lasst daher Hundert neue Rabbiner hier blühen – Damit auch wieder das Judentum in Deutschland aufs Neue blühen kann! Und bunt gemischt soll außerdem auch noch die neue Blüte unter den Rabbinern sein: Progressiv und Orthodox, Modern und Traditionell. Für den Zentralrat der Juden gilt allemal: Unter unserem großen, gemeinsamen Dach, unter dem schützendem Dach des Zentralrats, soll jeder auf seine Fasson fröhlich und jüdisch und glücklich sein können.
Wir bauen schließlich hier gerade gemeinsam eine ganz neue jüdische Gemeinschaft auf, mit großer Begeisterung und mit Leidenschaft. Es wächst das neue plurale Judentum in Deutschland. Das ist spannend und eine Herausforderung – und wir sind schon mittendrin. Die Pluralität ist die neue jüdische Normalität in Deutschland. Sie ist für uns eine Quelle von frischer Bereicherung und von neuer Stärke. Wir bauen diese Gemeinschaft hier neu auf, gerade nicht in erster Linie als Trauergemeinschaft, sondern mit den vielen positiven Dimensionen, die das Judentum zu bieten hat – mit wieder ganz frischer Zuversicht.
Und unsere neue jüdische Gemeinschaft soll blühen: munter und bunter. Wir streben dabei auch einen Akzentwechsel und Perspektivwechsel an. Wir wollen das Judentum in Deutschland künftig moderner, frischer, positiver positionieren und präsentieren und dabei deutlich machen: Judentum ist eine religiöse, eine politische und moralische, eine emotionale, vor allem auch eine spirituelle Kraftquelle ganz besonderer Art. Und das alles sollen nun auch Rabbiner vermitteln - was für eine Chance!
Ich wünsche den neuen Rabbinern jedenfalls: Sie sollen also zum Segen sein, für die ganze jüdische Gemeinschaft, ja für alle Menschen und sogar für die ganze Welt, aber auch gerade für Sie selbst. Sie sollen Erfüllung und persönliches Glück finden, in dem, was sie tun. Nur wer selbst brennt, kann doch das Feuer in anderen entzünden. Rasch werden Sie auch spüren: Wer anderen beisteht, verliert überhaupt gar nichts und gewinnt selbst sogar am Ende noch am allermeisten. Den neuen Rabbinern wünsche ich jedenfalls von Herzen Glück und Segen.
Und ich selbst will mir auch noch etwas wünschen dürfen: Dass wir hier künftig weniger Rabbiner von auswärts importieren müssen, sondern sogar auch Rabbiner noch für andere ausbilden können. Dass die Bezeichnung „Rabbiner - Made in Germany“ geradezu ein Markenzeichen werden möge - und ein fulminanter Exportschlager obendrein. Ein schöner Wunsch, gewiss.
Aber wo, wenn nicht in einer Synagoge, soll man denn große Wünsche äußern dürfen?
