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„Ein Vorbild für uns alle“
27.09.2011 Abraham Geiger Kolleg
Am 26. September wurde die Premierministerin der Provinz Western Cape, Helen Zille, für ihre Verdienste um die Demokratisierung Südafrikas mit dem Abraham-Geiger-Preis 2011 ausgezeichnet. Das Abraham Geiger Kolleg würdigt Verdienste um das Judentum in seiner Vielfalt und ehrt Menschen, die sich um den Pluralismus verdient gemacht haben, und ihren Einsatz für Offenheit, Mut, Toleranz und Freiheit des Denkens. Unter den Preisträgern der vergangenen Jahre waren der Theologe Hans Küng, Prinz Hassan von Jordanien, Karl Kardinal Lehmann und die Religionswissenschaftlerin Susannah Heschel.
Die diesjährige Preisverleihung fand traditionsgemäß in der Berliner Landesvertretung des Freistaats Bayern statt. Die Laudatio auf die Parteivorsitzende der Democratic Alliance, deren Eltern vor den Nationalsozialisten aus Deutschland nach Südafrika geflüchtet waren, hielt der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der Zille „ein Vorbild für uns alle“ nannte. Der Präsident der European Union for Progressive Judaism, Leslie Bergman (London), der selbst als Kind deutscher Emigranten in Südafrika geboren wurde, griff in seinem Grußwort Zitate von Präsident Nelson Mandela und Rabbiner Leo Baeck auf, Wenn man einen hohen Berg bestiegen hat, stellt man fest, dass es noch viele andere Berge zu besteigen gibt“ und „Was wir am Mitmenschen tun, ist Gottesdienst. Das Soziale ist hier Religiosität, und Religiosität ein Soziales“ – Gedanken, die auch das Engagement von Helen Zille mit prägen.
Helen Zille setzte sich in ihrer frei gehaltenen Dankesrede ausführlich mit der afrikanischen Ubuntu-Philosophie auseinander. Das Wort „Ubuntu“ existiert es in Südafrika in allen schwarzen Landessprachen; es drückt eine Lebensphilosophie aus, die Geschwisterlichkeit, Solidarität und Zusammengehörigkeit umreißen kann. Über ihr deutsches Erbe sagte sie, dass sie in Johannesburg quasi in einem deutschen Haushalt groß geworden sei, in der man immer großem Respekt vor der Disziplin gehabt habe, zur richtigen Zeit das Richtige zu. Zille sagte, dass das Schicksal ihrer Eltern auch ein Grund dafür gewesen sei, dass sie selbst eine Menschenrechtsaktivistin wurde. Zur Bedeutung des Judentum für sie und über die Rolle der Religion sagte sie unter anderem: „Mein Großvater mütterlicherseits war Jude, und meine Großmutter väterlicherseits auch. Meine beiden Eltern waren also ‚halbjüdisch’, mein Vater war Agnostiker, und meine Mutter ist sehr religiös, in einem christlichen Kontext aber. Wir wurden also als Christen erzogen, mit einem starken jüdischen Erbe. Und diese beiden Religionen gehen aber Hand in Hand, sehr problemlos. Jesus war nun mal jüdisch, und er hatte nicht wirklich die Absicht, eine neue Religion zu beginnen, und die Zehn Gebote sind die Basis für beide Religionen. Wir stammen von einem Gott ab, und wir verstehen es: Liebe deinen Gott, Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst. Das ist im Alten Testament, das ist im Neuen Testament. Religion und Ethik waren wichtig für die Art und Weise, wie ich großgezogen wurde, aber kein Wettkampf zwischen den Religionen. Es sind Zweige des gleichen Unternehmens, könnte man sagen. Das mochte meine Mutter zwar so nicht sagen, aber so war es.“ Ihr vom Unternehmer Karl Hermann Blicke gestiftetes Preisgeld in Höhe von € 10.000,- stellte Helen Zille einem Studienfonds für südafrikanische Studierende am Abraham Geiger Kolleg zur Verfügung. Zwei Absolventen des Kollegs sind bereits Rabbiner in Kapstadt.

